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Antipsychotika

Antipsychotika sind Medikamente, die hauptsächlich zur Behandlung psychotischer Störungen wie Schizophrenie und bipolarer Störung durch Blockade von Dopamin- und Serotoninrezeptoren eingesetzt werden. Sie werden anhand ihrer Rezeptorbindungsprofile und Nebenwirkungsmuster, die sich zwischen den beiden Gruppen erheblich unterscheiden, in Wirkstoffe der ersten und zweiten Generation eingeteilt.

Was sind Antipsychotika?

Psychotische Störungen sind durch Wahnvorstellungen, Halluzinationen, desorganisiertes Denken und negative Symptome wie sozialer Rückzug und Apathie gekennzeichnet. Die Dopamin-Hypothese der Schizophrenie geht davon aus, dass mesolimbische Dopamin-Hyperaktivität positive Symptome vermittelt, während mesokortikale Dopamin-Hypoaktivität zu negativen und kognitiven Symptomen beiträgt. Antipsychotika werden nach ihrer relativen Affinität zu Dopamin, Serotonin und anderen Rezeptoren kategorisiert.

Wirkmechanismus

Allen Antipsychotika gemeinsam ist die Eigenschaft des Dopamin-D2-Rezeptor-Antagonismus, der für ihre antipsychotische Wirkung wesentlich ist und auch für ihre extrapyramidalen Nebenwirkungen verantwortlich ist. Der Grad der D2-Belegung korreliert mit der therapeutischen Reaktion, wobei für eine optimale Wirkung eine Belegung von etwa 65 bis 80 Prozent erforderlich ist.

Antipsychotika der ersten Generation wie Haloperidol und Chlorpromazin sind in erster Linie D2-Antagonisten mit unterschiedlichem Grad an Alpha-1-adrenerger, Histamin-H1- und Muskarinrezeptorblockade. Haloperidol ist ein hochwirksamer Wirkstoff mit starker D2-Affinität und minimaler anticholinerger Wirkung, was zu einem hohen Risiko extrapyramidaler Symptome führt. Chlorpromazin ist ein niedrigwirksames Mittel mit breiterer Rezeptorblockade, das eine stärkere Sedierung und anticholinerge Wirkung, aber weniger extrapyramidale Symptome verursacht.

Antipsychotika der zweiten Generation wie Clozapin, Olanzapin und Risperidon kombinieren D2-Antagonismus mit Serotonin-5-HT2A-Rezeptor-Antagonismus. Es wird angenommen, dass das Serotonin-Dopamin-Antagonistenprofil im Vergleich zu Wirkstoffen der ersten Generation extrapyramidale Symptome reduziert und negative und kognitive Symptome verbessert. Clozapin ist besonders wirksam bei behandlungsresistenter Schizophrenie, birgt jedoch das Risiko von Agranulozytose, Myokarditis und metabolischen Auswirkungen, die einer strengen Überwachung bedürfen. Olanzapin ist hochwirksam, geht jedoch mit einer erheblichen Gewichtszunahme und metabolischen Nebenwirkungen einher.

Therapeutische Anwendungen

Antipsychotika sind die Erstlinientherapie bei Schizophrenie, schizoaffektiven Störungen und psychotischen Episoden bei bipolaren Störungen. Sie werden auch bei akuter Unruhe, behandlungsresistenter Depression als Augmentation, Tourette-Syndrom und Verhaltenssymptomen bei Demenz eingesetzt, wobei letztere mit Black-Box-Warnungen für eine erhöhte Mortalität bei älteren Patienten versehen sind.

Nebenwirkungen

Extrapyramidale Symptome wie akute Dystonie, Parkinsonismus, Akathisie und Spätdyskinesie treten am häufigsten bei Antipsychotika der ersten Generation auf, insbesondere bei hochwirksamen Arzneimitteln. Antipsychotika der zweiten Generation haben ein geringeres Risiko für extrapyramidale Symptome, aber ein höheres Risiko für metabolische Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Diabetes und Dyslipidämie. Hyperprolaktinämie tritt bei Wirkstoffen auf, die D2-Rezeptoren stark blockieren, ohne die Hypophyse zu schonen. Die Verlängerung des QT-Intervalls ist bei bestimmten Wirkstoffen ein Problem. Das maligne neuroleptische Syndrom ist eine seltene, aber potenziell tödliche Nebenwirkung aller Antipsychotika.

Kontraindikationen

Antipsychotika sind bei Patienten mit schwerer Depression des Zentralnervensystems kontraindiziert und sollten bei Patienten mit Parkinson-Krankheit aufgrund der Verschlechterung der motorischen Symptome mit Vorsicht angewendet werden. Bei Patienten mit verlängertem QT-Intervall, Krampfanfällen in der Vorgeschichte und Engwinkelglaukom ist Vorsicht geboten.

Fazit

Antipsychotika sind bei der Behandlung psychotischer Störungen von wesentlicher Bedeutung, wobei die Wahl zwischen Wirkstoffen der ersten und zweiten Generation vom Gleichgewicht zwischen extrapyramidalen und metabolischen Nebenwirkungen abhängt. Clozapin bleibt trotz seiner Überwachungsanforderungen der Goldstandard für behandlungsresistente Schizophrenie.