Störungen der Darmpassage gehören zu den häufigsten Magen-Darm-Beschwerden, die in der klinischen Praxis auftreten, wobei Verstopfung und Durchfall die entgegengesetzten Enden des Darmmotilitäts- und Sekretionsspektrums darstellen. Die pharmakologische Behandlung verwendet Wirkstoffe, die den Stuhlgang entweder fördern oder unterdrücken und auf der Grundlage der zugrunde liegenden Pathophysiologie, der Schwere der Symptome und der Dauer der Erkrankung ausgewählt werden.
Was sind Abführmittel und Mittel gegen Durchfall?
Abführmittel fördern den Stuhlgang durch verschiedene Mechanismen, darunter die Erhöhung der Stuhlmenge, die Aufweichung der Stuhlkonsistenz, die Stimulierung der Peristaltik oder das osmotische Ansaugen von Wasser in das Darmlumen. Antidiarrhoika reduzieren die Stuhlfrequenz und -flüssigkeit, indem sie die Darmpassage verlangsamen, die Flüssigkeitsaufnahme verbessern oder Toxine und Entzündungsmediatoren binden.
Wirkstoffklassen und -mechanismen
Massenbildende Abführmittel, darunter Flohsamen, Methylzellulose und Polycarbophile, erhöhen die Stuhlmasse, indem sie Wasser absorbieren und sich im Darm ausdehnen, wodurch die Peristaltik auf natürliche Weise stimuliert wird. Sie erzeugen einen physiologischen Stuhlgang mit minimalen Nebenwirkungen und sind die bevorzugten Mittel der ersten Wahl bei chronischer Verstopfung.
Osmotische Abführmittel wie Polyethylenglykol, Lactulose, Sorbitol und Magnesiumhydroxid erzeugen einen osmotischen Gradienten, der Wasser in den Dickdarm zieht, den Stuhl weicher macht und den Stuhlgang anregt. Polyethylenglykol ist besonders gut verträglich und wirksam bei chronischer Verstopfung.
Stimulierende Abführmittel wie Bisacodyl und Senna stimulieren die Nervengeflechte des Dickdarms, um die peristaltische Aktivität zu erhöhen und die Wasseraufnahme zu verringern. Sie führen zu schnellen Ergebnissen, sollten jedoch aufgrund von Bedenken hinsichtlich Abhängigkeit und Elektrolytstörungen nicht über einen längeren Zeitraum angewendet werden.
Stuhlweichmacher (Weichmacher) wie Docusat-Natrium reduzieren die Oberflächenspannung und ermöglichen so das Eindringen von Wasser und Fetten in den Stuhl. Ihre Wirksamkeit ist mäßig und sie werden hauptsächlich zur Vorbeugung von Verstopfung und nicht zur Behandlung bestehender Verstopfung eingesetzt.
Gleitende Abführmittel, einschließlich Mineralöl, bedecken die Stuhloberfläche und erleichtern so den Stuhlgang. Das Aspirationsrisiko schränkt ihre Anwendung ein, insbesondere bei älteren oder geschwächten Patienten.
Chloridkanalaktivatoren wie Lubiproston stimulieren die Chloridsekretion über Typ-2-Chloridkanäle im Darmepithel, wodurch die Flüssigkeitssekretion erhöht und der Transit beschleunigt wird. Es ist bei chronischer idiopathischer Verstopfung und Opioid-induzierter Verstopfung zugelassen.
Guanylatcyclase-C-Agonisten wie Linaclotid und Plecanatid aktivieren Guanylatcyclase-C-Rezeptoren, erhöhen die zyklischen GMP-Spiegel und stimulieren die Flüssigkeitssekretion und den beschleunigten Transit. Sie sind wirksam bei chronischer Verstopfung und Reizdarmsyndrom mit Verstopfung.
Mittel gegen Durchfall umfassen Loperamid, einen peripheren Mu-Opioid-Rezeptor-Agonisten, der die Darmmotilität verlangsamt und die Wasser- und Elektrolytaufnahme verbessert. Diphenoxylat in Kombination mit Atropin verringert ebenfalls die Peristaltik. Wismutsubsalicylat hat antimikrobielle und antisekretorische Eigenschaften, die bei Reisedurchfall nützlich sind. Octreotid, ein Somatostatin-Analogon, reduziert die Flüssigkeitssekretion bei sekretorischem Durchfall. Probiotika können das Gleichgewicht der Darmmikrobiota wiederherstellen.
Therapeutische Anwendungen
Die Behandlung chronischer Verstopfung beginnt mit Änderungen des Lebensstils und der Einnahme von Abführmitteln. Osmotische Wirkstoffe sind Mittel der zweiten Wahl, wobei neuere Wirkstoffe für refraktäre Fälle reserviert sind. Akuter Durchfall aufgrund infektiöser Ursachen ist in der Regel selbstlimitierend und wird durch Flüssigkeitsersatz behandelt; Loperamid eignet sich zur Linderung der Symptome, ist jedoch bei blutigem Durchfall oder Verdacht auf eine entzündliche Darmerkrankung kontraindiziert.
Nebenwirkungen
Massenbildende Abführmittel erfordern eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, um eine Verstopfung der Speiseröhre zu verhindern. Osmotische Wirkstoffe können Blähungen und Blähungen verursachen. Stimulierende Abführmittel können bei längerer Anwendung Bauchkrämpfe und Elektrolytstörungen verursachen. Loperamid kann Verstopfung, Schwindel und bei hohen Dosen kardiale Toxizität verursachen. Wismutsubsalicylat verursacht dunklen Stuhl und eine Verfärbung der Zunge.
Wichtige klinische Überlegungen
Von der langfristigen Anwendung stimulierender Abführmittel sollte bei den meisten Patienten zugunsten von volumenbildenden oder osmotischen Mitteln abgeraten werden. Bei infektiöser Kolitis mit Fieber oder blutigem Stuhl sollten Mittel gegen Durchfall wegen des Risikos einer anhaltenden Infektion vermieden werden. Loperamid hat bei supratherapeutischen Dosen ein Missbrauchspotenzial. Chronischer Durchfall erfordert die Untersuchung der zugrunde liegenden Ursachen und nicht nur die Unterdrückung der Symptome.
Fazit
Abführmittel und Mittel gegen Durchfall sind wirksame symptomatische Behandlungen, wenn sie richtig ausgewählt werden. Ihr rationaler Einsatz erfordert ein Verständnis der zugrunde liegenden Darmpathophysiologie, der Therapiedauer und der möglichen Nebenwirkungen, die sowohl bei kurzfristiger als auch bei chronischer Verabreichung auftreten können.