Die Gram-Färbung ist eine grundlegende differenzielle Färbetechnik in der Mikrobiologie, die 1884 von Hans Christian Gram entwickelt wurde. Sie unterteilt Bakterien in zwei Hauptgruppen, Gram-positiv und Gram-negativ, basierend auf Unterschieden in ihrer Zellwandstruktur.
Prinzip der Gram-Färbung
Die Technik beruht auf der Fähigkeit der Bakterienzellwand, den Kristallviolett-Jod-Komplex nach der Entfärbung mit Alkohol oder Aceton zurückzuhalten. Gram-positive Bakterien haben eine dicke Peptidoglycan-Schicht (20–80 nm), die den violetten Kristallviolett-Farbstoff zurückhält, während gram-negative Bakterien eine dünne Peptidoglycan-Schicht (2–7 nm) und eine äußere Membran haben – der Entfärber löst die äußere Membran auf und entwässert das Peptidoglycan, wodurch der Fleck ausgewaschen werden kann.
Reagenzien und Verfahren
- Primärfärbung: Kristallviolett wird 60 Sekunden lang auf einen hitzefixierten Bakterienausstrich aufgetragen und mit Wasser abgespült.
- Beizmittel: Gram-Jod (IKI) wird 60 Sekunden lang angewendet und bildet einen großen Kristallviolett-Jod-Komplex (CV-I), der in der Zelle eingeschlossen wird.
- Entfärbung: Ethanol (95 %) oder Aceton wird kurz (10–30 Sekunden) aufgetragen, bis das Lösungsmittel klar wird. Dieser Schritt unterscheidet die beiden Gruppen.
- Gegenfärbung: Safranin (ein roter oder rosa Farbstoff) wird 30–60 Sekunden lang aufgetragen und färbt entfärbte gramnegative Zellen.
Ergebnisse und Interpretation
Grampositive Bakterien erscheinen unter dem Mikroskop violett oder blauviolett – Beispiele sind Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes, Bacillus subtilis und Clostridium tetani. Gramnegative Bakterien erscheinen rosa oder rot – Beispiele sind Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa, Salmonella typhi und Neisseria gonorrhoeae. Einige Bakterien, die als gramvariable Bakterien bezeichnet werden (z. B. Actinomyces, Mycobacterium), färben sich aufgrund der ungewöhnlichen Zellwandzusammensetzung bei keiner der beiden Klassifizierungen zuverlässig.
Häufige Fehler und Fehlerbehebung
Eine übermäßige Entfärbung kann dazu führen, dass grampositive Zellen fälschlicherweise gramnegativ erscheinen, wenn sie zu lange dem Entfärber ausgesetzt werden. Eine zu geringe Entfärbung kann dazu führen, dass gramnegative Zellen fälschlicherweise grampositiv erscheinen, wenn die Entfärbungszeit nicht ausreicht. Darüber hinaus können grampositive Bakterien in alten Kulturen ihre Fähigkeit verlieren, den Farbstoff zurückzuhalten, wenn die Zellwand abgebaut wird.
Anwendungen
Die Gramfärbung wird zur Primärklassifizierung und vorläufigen Identifizierung von Bakterienisolaten in der klinischen Mikrobiologie verwendet. Es bietet Leitlinien für die empirische Antibiotikatherapie, da sich grampositive und gramnegative Bakterien in der Antibiotikaempfindlichkeit unterscheiden. Die Technik wird auch zur Qualitätskontrolle von Färbereagenzien unter Verwendung bekannter Kontrollorganismen wie S verwendet. aureus für grampositiv und E. coli für gramnegativ.