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Rasterkraftmikroskopie (AFM)

July 3, 2026

Die Rasterkraftmikroskopie (AFM) ist eine hochauflösende Rastersonden-Technik, die die Oberflächentopographie durch Messung der Kräfte zwischen einer scharfen Spitze und der Probe erfasst. Anders als die Elektronenmikroskopie kann die AFM nichtleitende Proben unter Umgebungsbedingungen oder in Flüssigkeit abbilden, was sie besonders für die Charakterisierung biologischer und weicher Materialien geeignet macht.

Prinzipien der AFM

Ein AFM besteht aus einer scharfen Spitze, die am Ende eines flexiblen Cantilevers montiert ist. Während die Spitze über die Probenoberfläche rastert, verursachen Spitzen-Proben-Wechselwirkungen eine Auslenkung des Cantilevers. Ein Laserstrahl, der von der Cantilever-Oberfläche auf einen positionsempfindlichen Fotodetektor reflektiert wird, misst diese Auslenkung mit Sub-Nanometer-Präzision. Ein Regelkreis passt die Probenhöhe oder Spitzenposition an, um eine konstante Kraft oder einen konstanten Abstand beizubehalten.

Der Spitzenradius beträgt typischerweise 1–20 nm für Standardsonden und unter 1 nm für superscharfe Spitzen. Die Kraftempfindlichkeit kann Pikonewton-Niveaus erreichen und ermöglicht die Messung molekularer Wechselwirkungen.

Bildgebungsmodi

Der Kontaktmodus hält während des Rasterns einen konstanten Spitzen-Proben-Kontakt aufrecht. Die Cantilever-Auslenkung wird durch Anpassung der z-Position konstant gehalten, wodurch eine topographische Karte erzeugt wird. Der Kontaktmodus bietet hohe Abtastgeschwindigkeiten, kann jedoch weiche Proben beschädigen oder lose gebundenes Material verschieben.

Der Tapping-Modus (intermittierender Kontakt) versetzt den Cantilever in der Nähe seiner Resonanzfrequenz in Schwingung, während er rastert. Die Spitze berührt die Probe kurz am unteren Ende jeder Schwingung. Änderungen der Schwingungsamplitude aufgrund der Spitzen-Proben-Wechselwirkung werden für die Rückkopplung genutzt. Der Tapping-Modus reduziert laterale Kräfte und ist der bevorzugte Modus für biologische Proben, Polymere und lose adsorbierte Partikel.

Der Nicht-Kontakt-Modus versetzt den Cantilever über der Probe in Schwingung, ohne sie zu berühren, und erfasst anziehende Van-der-Waals-Kräfte. Dieser Modus vermeidet Probenschäden vollständig, erfordert jedoch saubere Oberflächen und stabile Bedingungen.

Kraftspektroskopie

Die AFM kann Kraft-Abstands-Kurven an einzelnen Punkten oder entlang eines Rasters messen. Die Cantilever-Auslenkung wird aufgezeichnet, während die Spitze sich der Probe nähert, Kontakt herstellt und sich zurückzieht. Die resultierende Kraftkurve zeigt Probensteifigkeit, Adhäsion und Verformung.

Die Kraftspektroskopie wird zur Messung molekularer Entbindungskräfte zwischen Ligand-Rezeptor-Paaren, Proteinentfaltungskräften und Polymerelastizität eingesetzt. Die Technik kann Kräfte von nur wenigen Pikonewton nachweisen, vergleichbar mit der Stärke einzelner Wasserstoffbrückenbindungen.

Probenaspekte

Die AFM erfordert relativ flache Proben mit einer Oberflächenrauheit, die geringer ist als der z-Bereich des Scanners, typischerweise einige Mikrometer. Die Probenvorbereitung umfasst die Montage auf Objektträgern, Glimmerplättchen oder Siliziumwafern mittels Klebstoff oder elektrostatischer Anziehung. Biologische Proben können in Pufferlösungen abgebildet werden, um die native Konformation zu erhalten.

Die Immobilisierung ist für eine stabile Bildgebung entscheidend. Biomoleküle können auf Glimmer oder funktionalisierten Oberflächen adsorbiert oder über spezifische Bindungen angebunden werden. Unterstützte Lipiddoppelschichten und Membranproteine können unter physiologisch relevanten Bedingungen abgebildet werden.

Fortgeschrittene Techniken

Die Hochgeschwindigkeits-AFM erfasst dynamische Prozesse wie Proteinbewegungen, Enzymaktivität und zelluläre Dynamik in Echtzeit. Abtastraten von 10–50 Bildern pro Sekunde werden mit kleinen Cantilevern und optimierten Scannern erreicht.

Die multiparametrische Bildgebung zeichnet gleichzeitig Topographie, Steifigkeit, Adhäsion und Energiedissipationskarten auf. Der Peak-Force-Tapping-Modus kontrolliert die maximale Kraft an jedem Pixel und ermöglicht die quantitative Kartierung mechanischer Eigenschaften bei minimaler Probenverformung.

Die leitfähige AFM, die Kelvin-Sonden-Kraftmikroskopie und die Magnetkraftmikroskopie erweitern die AFM-Fähigkeiten zur Messung elektrischer, elektrostatischer und magnetischer Eigenschaften im Nanomaßstab.

Anwendungen

Die AFM wird in der Materialwissenschaft zur Charakterisierung von Oberflächenrauheit, Dünnschichtmorphologie und Nanopartikeln weit verbreitet eingesetzt. In der Biologie bildet die AFM Membranproteine, DNA und Zytoskelettstrukturen mit molekularer Auflösung ab. In der Polymerwissenschaft kartiert die AFM Phasentrennung, Kristallinität und mechanische Eigenschaften. In der Halbleiterfertigung misst die AFM Linienkantenrauheit und kritische Dimensionen.

Grenzen

Die AFM hat einen begrenzten Abtastbereich, typischerweise 10–100 µm für hochauflösende Scanner. Die Bildaufnahme ist langsamer als bei der REM, und Spitzenartefakte können Merkmale verzerren. Die Technik bildet nur Oberflächen ab und liefert keine direkte chemische Identifikation. Für eine artefaktfreie Bildgebung sind erfahrene Bediener erforderlich.